Archiv 21.01.2010
Review Webmontag Frankfurt #wmfra 18.1.2010
Nachdem ich im letzten Jahr einige Webmontage ausgelassen hatte, war ich am 18. Januar zum ersten von fünf geplanten Events in 2010 wieder in der Brotfabrik – beim ersten Webmontag dieses Jahrzehnts.
Wie anhand der Anmeldeliste schon zu erwarten war, fanden die vielen Besucher garnicht alle Platz im großen Saal, sodass einige der geschätzten 140 Zuhörer stehend den Vorträgen folgen mussten und das, obwohl sich vorne noch ein paar verwahrloste Stühle versteckten.
Nach dem Intro durch Darren Cooper konnte Thomas Klose als erster Redner starten und über benutzerzentriertes Design sprechen. Dabei wurde deutlich, dass Nutzer Produkte und Dienstleistungen mit allen Sinnen wahrnehmen und entsprechende umfassende Eindrücke speichern. Diese werden bei erneuten Begegnungen wieder ins Bewusstsein gerufen. Wenn ein Produkt es also schafft, mit Emotionen und durch einen ganzheitlichen Ansatz den Nutzer zu begeistern, wird er sich lange und vermutlich positiv daran erinnern. Als Beispiel wurden hier Apple Produkte genannt, die alle simplen Leitsätzen folgen und „wie aus einem Guss“ erscheinen. Außerdem das Rastplatz WC-Konzept Sanifair.
Im nächsten Vortrag stellte Walter Ebert die Parallelen von Modernismus & Postmodernismus in der Architektur und im Webdesign dar. Dabei zeigte sich, wie in der Architektur durch neue Technologien, wie Stahl und Beton interessante und futuristische Gebäude entstanden, bei denen nicht mehr die Form die Funktionalität beeinflusste. Bei Webseiten entstanden ebenfalls durch neue Technologien wie animierte GIFs, Popups, Flash usw. Resultate, die anfangs interessiert und gehyped Verbreitung fanden, jedoch schnell durch Weiterentwicklungen oder das Besinnen auf Mottos wie „weniger ist mehr“ wieder aus der Mode kamen.
Nachdem Darren auch diese kurze Medienwechsel-Pause zwischen den Vorträgen kurzweilig gestaltete, konnte Matthias Thürling mit seiner Präsentation zur Einführung von Intranets und Wikis in Firmen und Institutionen beginnen. Er machte dabei deutlich, dass es um die Menschen geht, die später das Wiki einerseits mit Leben füllen sollen und es andererseits auch aus seinen Vorteilen Nutzen ziehen sollen. Es wäre ein denkbar schlechter Weg, einfach eine Lösung zu servieren mit der Aufforderung „so, nun macht mal“. Vielmehr müsste die Einführung als ein geplanter, transparenter Prozess mit Einbeziehung aller Parteien - z.B. durch Ambassadors - erfolgen.
Anschließend wurde ein eher technisches Thema durch Eric Eggert vorgestellt, der unter dem Titel „CSS für Fortgeschrittene“ Neuentwicklungen im Bereich des Webseiten-Stylings präsentierte. Er berichtete über die Verwendung von eigenen Schriften mittels @font-face und außerdem über Transitions, mit denen Animationen ohne Flash oder JavaScript, also ohne Zugangsbarrieren, realisiert werden können. Verdeutlicht wurde dies an Beispielen von skalierten und gedrehten Bildern, sowie animierten Balkendiagrammen [Beispiel für Safari]. Natürlich sind einige dieser neuen Errungenschaften bisher nicht in allen Browsern möglich, aber bereiten als zusätzliche Features schon jetzt Freude (auch auf mehr)!
Im letzten Vortrag erzählte Manuel Brückmann von Erfolgsfaktoren für RIA-Projekte (Rich Internet Applications). Immer wieder konnte man inhaltliche Parallelen in den Vorträgen erkennen, oder dass diese gewissermaßen aufeinander aufbauten. So wurde auch hier klar, dass Internetanwendungen den Benutzer in den Mittelpunkt stellen müssen oder mindestens alle seine Anforderungen berücksichtigen sollten um für die Masse erfolgreich zu werden. Es müssen Emotionen transportiert werden, andererseits aber Orientierung gewährleistet sein und vor allem der Nutzen klar erkennbar werden.
Phänomen Zeit
Nachdem letztes Jahr beim Webmontag in Frankfurt die Vortragszeit strikter auf 15 Minuten beschränkt wurde, erinnerte die gefürchtete Eieruhr die Sprecher dieses Mal nicht an ihre Zeitlimit. Einerseits verlor Darren dadurch, dass die meisten Redner etwas mehr Zeit nutzten – nicht zuletzt er selbst – seine Wette, nach 90 Minuten zur Networking-Phase überzugehen, andererseits hatte ich den Eindruck, dass ein gewisses Ungleichgewicht entstand, denn wer mehr Zeit „wollte“, bekam diese auch. Vor diesem Hintergrund bin ich auf den nächsten Webmontag im März 2010 gespannt, bei dem in Anlehnung an die »Ignite Week« jeder Vortrag auf 5 Minuten und 20 Folien limitiert ist, die alle 15 Sek. automatisch wechseln.
Phänomen Mac und Präsentation
Wenn ich richtig aufgepasst habe, hatten vier der fünf Redner (80%!) ein MacBook im Gepäck, um ihre minimalistischen Zen-styled Präsentationen vorzuführen. Ein Hype um die Macs wurde geradezu unter Beweis gestellt. Außerdem fiel auf, dass die Präsentationen ebenfalls den neuen Einflüssen folgten und durch prägnante kurze Aussagen, die visuell ansprechend unterlegt waren überzeugten. – Toll!
Phänomen Twitter-Wall
Gerade lese ich im Buch Payback von Frank Schirrmacher über die gesellschaftlichen Veränderungen, die durch die massenhafte Nutzung digitaler Medien und Geräte entsteht. Ein tolles Live-Beispiel für das Multitasking, das Pflichtbewusstsein auf mehreren Kanälen gleichzeitig zu kommunizieren und aktiv zu sein, wurde auf dem Webmontag – wieder einmal – bestens demonstriert. Der Zuhörer konnte einerseits essen und trinken (völlig normal) – und nun wird es spannend: Dem Vortrag folgen, der Twitter-Wall – die aktuelle Tweets mit Hashtag #wmfra anzeigte oder aber mit dem Medium seiner Wahl selbst mitzwitschern und Gehörtes Kommentieren bzw. Gelesenes „verstärken“. Von den weiteren Optionen nebenbei noch im Internet zu surfen oder E-Mails zu beantworten einmal völlig abgesehen.
Wir treffen uns also – ausnahmsweise persönlich – um Vorträgen zu lauschen und diese später zu diskutieren, aber nebenbei „müssen“ (?) noch alle geläufigen Kanäle bedient werden. – Heutzutage wird per Twitter „reingerufen“.
Als Fazit kann ich behaupten: Ein gelungenes Event! – Was besonders aufgrund des Vortrags-Timings und der Themen-Offenheit verspricht das nächste Mal ebenfalls spannend zu werden.
Auf das DevDusk-Meeting am Donnerstag, 18. Februar 2010 um 19.30 Uhr sei an dieser Stelle ebenfalls hingewiesen.
Update:
Weitere Reviews oder Blogeinträge wurden geschrieben von Nicole Männl (incl. Vergleich Frankfurt & Hannover), Jens Grochtdreis außerdem sind einige Vorträge bei Vimeo hochgeladen worden.
Letzte Änderung: 27.06.2010, 19:06